Das Stuttgarter Karls-Gymnasium hat als eine der ersten Schulen Westdeutschlands das Abitur nach der zwölften Klasse erprobt. Doch nur wenige Schüler eignen sich für das Kurzmodell.
Schon als Knirps kapierte Constantin alles ein bisschen schneller als seine Mitschüler. Sein Grundschullehrer wandte sich an die Eltern: Er könne diesem Kind kaum gerecht werden, Constantin müsse im Unterricht öfter mal eine halbe Stunde ruhig in der Ecke sitzen.
Zu Hause nervte der Junge seine Eltern mit unstillbarem Wissensdurst. „Er hat unheimlich viel gefordert“, erinnert sich Anette Brecht-Fischer, Constantins Mutter. „Jedes Wochenende mussten wir mit ihm in irgendein Museum fahren, ständig Wissen nachfüttern.“
Inzwischen ist Constantin 17. Im Sommer wird er sein Abiturzeugnis in Händen halten – mit dem Zusatz: „Diese Hochschulreife wurde im achtjährigen Bildungsgang erworben“. Er ist einer der ersten Absolventen eines Schulversuchs, der seit Anfang der neunziger Jahre am Stuttgarter Karls-Gymnasium läuft.
Besonders begabte Kinder, die sich im regulären Unterricht langweilten und unterfordert fühlten, können dabei das Gymnasium in acht statt der üblichen neun Jahre hinter sich bringen.
„Es war schon meine eigene Entscheidung, auf diese Schule zu wechseln“, sagt Constantin. Um den schnellen Weg zum Abi zu gehen, nahm er auch den langen Anfahrtsweg aus einem Stuttgarter Vorort zur Schule in der Innenstadt in Kauf.